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Stella Hamberg
Ausstellung: 12. September - 30. Oktober 2015

Eröffnung: 12. September 2015, 11-20 Uhr

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In Stella Hambergs aktueller Ausstellung bespielen zwölf schwarz patinierte Bronzeplastiken den Raum. Die gezeigten Werke sind alle ca. einen Meter groß und
unterscheiden sich schon dadurch sichtbar von den raumgreifenden Skulpturen der Künstlerin aus den letzten Jahren. Sie hat die Arbeiten auf einfachen Arbeitsböcken oder auf dem Boden im Ausstellungsraum angeordnet - angelehnt an ihre Arbeits- und Werkstattsituation.
Da sind Plastiken, die zwischen Tier, Pflanze und Bewegungsmuster erstarrt sind, ein grotesker Haikopf mit aufgerissenem Maul und ein Vogel in geduckter Haltung; eine Verbeugung mit zwei Köpfen und Flügel- oder Schwanzformen, die sich in Bewegung zu finden scheinen und in lose zusammengefügten Tonscheiben enden.
Ein überlebensgroßer jugendlicher Kopf, modelliert als szenischer Ausschnitt, liegt neben einer sichtbar unvollendeten, seltsam prototypischen Form, eine Reiterfigur steht neben offensichtlichen Mischwesen, die an den „Hund" von Stella Hamberg aus dem Jahr 2013 anknüpfen. Es gibt Fingerspuren, Stöße, scharfkantige Rillen und Risse, in denen der Entstehungsprozess der Arbeit sich dem Betrachter zeigt und direkt greifbar wird. Vieles ist roh, nichts scheint ästhetisierend überzeichnet oder eindeutig klar zusammengefasst. Skizzen und Ansätze stehen gleichbedeutend neben bildhaft durchgearbeiteten Figuren, alles befindet sich in Bewegung. Die dem Betrachter naheliegendste Form wird teilweise verfremdet oder als Schablone für eine Neuordnung benutzt, wie z.B. bei dem blumenstraußähnlichen Gebilde, das gleichzeitig an ein vertikal aufgerichtetes Bündel kleiner Hammerhaie erinnern mag. Ein skurriles, sich überlagerndes Bewegungsmuster, ein fahriger Entwurf, der sich kapriziös in die Luft schraubt und in der permanenten Bewegung plötzlich innehält.

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Rohes Material trifft auf bildhaft Komprimiertes, naive Betrachtung auf analytische Befragung, Tragisches auf Komisches, Groteskes auf Schönes, Methodisches auf bewegt Figuratives. Es entstehen Gestalten und schwarze Konturen im weißen Raum.
Die beeindruckende, doch niemals bedrückende Präsenz der Arbeiten von Stella Hamberg ist nicht allein aus der Wirkung von Größe und Material abzuleiten, auf welche sich die tradierte Bronzeplastik gemeinhin stützt, sondern resultiert aus einer den Plastiken innewohnenden vielschichtigen Ambivalenz. So lässt sich Stella Hambergs Arbeit zwar als figurative Bildhauerei kategorisieren, ihre Plastiken thematisieren jedoch nie ausschließlich die Figur und sind daher ebenso wenig auf die Produktion eines gegenständlichen Abbildes ausgerichtet. Die Künstlerin zitiert in postmoderner Manier diverse Stile und entwickelt dabei ihre ganz eigene Formensprache aus der Synthese von detailreichem Arbeiten und dem Schaffen expressiver Gestiken und Mimiken einerseits und der Präsentation des scheinbar formlosen Materials andererseits.
Stella Hambergs Plastiken bleiben stets bedeutungsoffen und diese Bedeutungsoffenheit appelliert an die produktive Kraft der Imagination. Im Gegenzug bewahrt die Künstlerin ihren Plastiken damit eine Neutralität, da jedwede Verwandlung und Vollendung der Arbeiten das Produkt der geistig-sinnlichen Betätigung des Betrachters bleibt. Es sind die klassischen bildhauerischen Themen, die Stella Hamberg bearbeitet, denen sie eine neue Form gibt und die sie in Bewegung bringt. Kopf, Reiterfigur, Tierfigur, Fragment, amorphe Form werden formal und inhaltlich in Bewegung versetzt und scheinen nie zum Stillstand zu kommen. 

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