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Gruppe mit vier "cluster"-Arbeiten:
cluster 53, 18 x 17 x 17 cm,
cluster 71 a, 19 x 17 x 20 cm,
cluster 71 b, 20 x 22 x 18 cm,
cluster 130, 28 x 24 x 20 cm,
alle Arbeiten: Neusilber, 2008,
Auflage: 5

 

 

Carsten Nicolai
tired light
02.05.2008 - 28.06.2008

Der Begriff 'tired light' - 'müdes Licht' -, den Carsten Nicolai als Titel für seine Ausstellung in der Galerie EIGEN + ART Berlin gewählt hat, stammt aus der Kosmologie und bezeichnet eine mögliche Theorie zur Erklärung der Entstehung des Universums, basierend auf dem Phänomen der Rotverschiebung von Licht.

Neben der von Edwin Hubble entwickelten Theorie der Rotverschiebung, welche die Urknalltheorie anregte, bot unter anderem Fritz Zwicky im Jahr 1929 eine alternative Deutung dieses Lichtphänomens an. Demzufolge verliert Licht proportional zu der zurückgelegten Entfernung Energie - es 'ermüdet'. Im Zuge der allgemeinen Relativitätstheorie wurde die Theorie der Lichtermüdung inzwischen zu Gunsten der Expansion der Raumzeit aufgegeben. Die Auseinandersetzung Carsten Nicolais mit dem Phänomen der 'Lichtermüdung' war die Folge eines Treffens mit dem Wissenschaftler Otto E. Rössler. Dieser arbeitet weiterhin an der Theorie, da sie auf ihn ob ihrer Einfachheit eine große Faszination ausübt und interessante philosophische Implikationen birgt.

Die Arbeiten der seit 2007 entstandenen Serie 'tired light' von Carsten Nicolai greifen auf die Erklärung der Rotverschiebung von Licht durch die Theorie der 'Lichtermüdung' zurück. Die Bildtafeln sind jedoch keine wörtlichen Auseinandersetzungen mit dem Begriff des 'müden Lichts', sondern bilden in der Modulation von gelben Oberflächen einen eher ästhetischen Blick auf das Phänomen. Sie ermöglichen einen künstlerischen Ausblick auf die Frage nach Modellen und ihrer Bedeutung bei der Erklärung der Welt, wobei es Carsten Nicolai weniger um eine Visualisierung der Theorie der 'Lichtermüdung' geht. Vielmehr wird die Poesie des Begriffes erweitert und die Rotverschiebung des Lichts als Wahrnehmungsproblem künstlerisch untersucht. Carsten Nicolai verklärt die Theorie der 'Lichtermüdung' und hinterfragt die Faszination für die Farben des Lichtes.

Die Skulpturserie 'cluster' aus dem Jahr 2008 bezieht sich auf ein Experiment des amerikanischen Architekten Buckminster Fuller, das sich mit der Packung von Kugeln im Raum - der so genannten Keplerschen Vermutung - beschäftigt. Dabei geht es um die maximale Dichte verschieden angeordneter dreidimensionaler Schichtungen von Kugeln.

Den davon abgeleiteten, von Nicolai in Neusilber gegossenen Skulpturen, liegt entsprechend ein einfaches Konstruktionsprinzip zu Grunde _- mit Tischtennisbällen gefüllte Ballons reflektieren den Versuchsaufbau. Bestimmt wird die äußere Gestalt der entstehenden Skulpturen durch die Formation der Bälle im Inneren, die je nach Krafteinwirkung von außen eine große Anzahl von Formvariationen ermöglicht. Carsten Nicolai geht es bei dieser Arbeit weniger um das äußerliche Ergebnis der entstehenden Skulpturen, sondern vor allem um das angewendete Konstruktionsprinzip mit seinem gestalterischen Potential.

Der Rahmen für die Ausstellung wird geschaffen durch eine 'tired light box', welche rotes Licht emittiert und den gesamten Raum in eine Atmosphäre hüllt und somit die beiden klassischen Medien Skulptur und Tafelbild in einer Rauminstallation vereinigt.

 

 

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